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Aktuell: Gesetzwentwurf schafft qualifizierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ab – Interview mit Prof. Sulz

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KITAs schaden Kindern – bis 24 Monaten – ganztags – bei mehr als 4 Kindern pro Erzieherin

Am 24. September ist Bundestagswahl. Jetzt haben Sie noch Einfluss!

Wählen Sie die Partei, die auch Ihre Kinder berücksichtigt und deren Zukunft nicht für gegenwärtige Annehmlichkeiten opfert.

Wählen Sie die Partei, die Sie nicht nur mit momentanen Wahlgeschenke lockt und Ihnen alles verspricht, um Ihre Stimme zu ergattern.

Die Entwicklungspsychologie weiß darum, dass ein KITA-Aufenthalt vor dem Alter von 24 Monaten Ihrem Kind schadet. Trotzdem stehen Mütter unter dem sozialen Druck der Politik, der Medien, der Arbeitgeber, der Kolleginnen und Freundinnen.

„Sei doch nicht altmodisch, sei doch kein Muttchen, das ihre Kinder bebrütet wie ein Huhn die Lege-Eier. Verzichte doch nicht auf Dein Einkommen, Deine Karriere, die Wertschätzung, den Kontakt, die Beziehungen mit Kolleginnen, auf alles was Dir wichtig ist und Dein Beruf Dir gibt. Du wirst sehen wie Dir das fehlt, wenn Du länger als ein halbes Jahr von all dem abgeschnitten bist und nur noch mit anderen Müttern Kontakt hast, mit immer den gleichen Baby-Themen. Und melde Dein Kind rechtzeitig an. Am besten 3 bis 4 Monate vor der Geburt. Und diese Qualitätskriterien für KITAs sind ja völlig übertrieben. Die wollen, dass ein Kind mindesten eine Stunde am Tag eine Erzieherin ganz für sich hat. Und dass nicht mehr als vier bis fünf Kinder auf eine Erzieherin kommen*. Das könnte ja keiner bezahlen! Das ist eine Utopie der ewig Gestrigen. Kinder brauchen andere Kinder**“

*mit Urlaub und Krankheitsausfällen sind es an vielen Tagen 15 Kinder je Erzieherin.

**Ja aber nur ältere Geschwister. Sie können in diesem Alter von Gleichaltrigen nicht profitieren.

Das ist der Mainstream und kaum ein Psychologe oder Kinderarzt wagt es, etwas gegen diesen zu sagen. Denn wer will schon (mit Worten) gesteinigt werden?

Oder sind die zwei bis drei Jahre, die ein Ehepaar das Kind für wichtiger halten als den Beruf, doch keine vergeudete Zeit? Was sind schon zwei Jahre im Leben eines Menschen? Wie viel erfüllende Momente verschenkt eine Mutter und ein Vater, der in den Beruf flieht? Für sie sind diese ersten Lebensjahre ihres Kindes zu schnell vorbei und unwiederbringlich verloren. Sie haben ihr Kind in diesem Alter gar nicht richtig kennengelernt (vor allem die Väter). Aber das ist nicht alles: Fehlender Aufbau einer sicheren Bindung zu den Eltern zwischen 8 und 24 Monaten führt zu einer geringeren Chance, dass das kindliche Gehirn die ihm genetisch mitgegebenen Begabungen entwickeln kann. Verbunden mit dem schlechteren Aufbau der Fähigkeit zur Impulshemmung zwischen 3 und 4 Jahren hat das Auswirkungen auf die Lebensqualität und die sozialen und beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten bis in das vierte Lebensjahrzehnt (Walter Mischel 2015). Also ein sehr hoher Preis!

Diese kurze und intensive Investition in die Entwicklung ihrer Kinder zahlt sich für das ganze Leben aus. Jegliche Vernachlässigung (und die meisten KITA-Aufenthalte in diesem frühen Alter entsprechen der Vernachlässigung) rächt sich später ebenso wie jegliche Stresshaltung nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem auch noch das Kind etwas will, wo doch keine Kraft mehr da ist.

Dabei wäre es ganz einfach und auch finanzierbar:

Im ersten Jahr darf die Mutter beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld.

Im zweiten Jahr dürfen Mutter und Vater halbtags beim Kind sein mit je halbem Erziehungsgeld.

Im dritten Jahr darf der Vater beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld

Wenn das nicht geht: Im dritten Jahr arbeiten beide Teilzeit, so dass sie zusammen auf eine Ganztagsstelle kommen und zahlen keine Lohnsteuer und keine Rentenversicherung (bei voller Anrechnung als Ausfallzeit).

Ab dem vierten Jahr bis zur Einschulung arbeiten beide zusammen so viel, dass 1,5 Stellen zusammen besetzt werden (z. B. 30 Stunden die Mutter und 30 Stunden der Vater oder ungleich verteilt) – und zahlen so wenig Steuern, dass ihnen genau so viel Familien-Nettoeinkommen bleibt wie einem kinderlosen Doppelverdiener-Ehepaar.

Das gäbe mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen und mehr Gerechtigkeit für diejenigen, die die Bürde der Elternschaft auf sich nehmen.

Freiberufler können diese Übergänge natürlich viel individueller und flexibler gestalten.

Was wie eine Emanzipation der Frau aussieht (gleicher Zugang zu allen beruflichen Möglichkeiten wie der Mann), die den Männern und den Arbeitgebern abgerungen wird, ist in Wirklichkeit nur eine Umverteilung der Chancenungleichheit von der Mutter auf ihr Kind. Erst wenn der Gesellschaft und der Wirtschaft wirklich abgerungen wird, was eine Frau braucht, ohne dass sie es ihrem Kind nehmen muss, können wir von Emanzipation sprechen. Bis dahin ist es nur eine Fortsetzung der Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen auf Kosten ihrer Familie.

Sprechen Sie doch mit dem Abgeordneten Ihres Wahlkreises. Jetzt ist er noch empfänglich für solche Worte, nach der Wahl nicht mehr.

Einige Zitate aus dem entwicklungspsychologischen Wissensfundus (Literaturquellen hierzu bei Sulz 2017):

Die kognitive Entwicklung des Kindes im Vorschulalter konnte Fonagy (1997) aus der Bindungssicherheit mit der Mutter im Alter von 12 Monaten und mit dem Vater im Alter von 18 Monaten vorhersagen. 82 % der sicher gebundenen Kinder lösten Theory-of-Mind-Aufgaben (reflektieren können, dass Überzeugungen und Wünsche eigenes Verhalten und das Verhalten anderer vorhersagen), während nur 46 % der unsicher gebundenen Kinder diese Aufgaben lösen konnten. Ein anderes Studiendesign ergab, dass 87 % der Kinder, die sowohl zu Vater als auch zu Mutter eine sichere Bindung hatten, diese Aufgaben lösen konnten, im Vergleich zu 63 % der Kinder, die nur mit einer Elternperson eine sichere Bindung hatten, und nur 50 % der Kinder, die zu keinem Elternteil eine sichere Bindung hatten. Fonagy schließt daraus, dass die kognitive Entwicklung bei sicher gebundenen Kindern früher die Fähigkeit einer Reflexionsfunktion im Sinne der Theory of Mind hervorbringt und damit der Entwicklungsprozess der Mentalisierung rascher vonstattengeht.

Wenn eine sichere Bindung hergestellt ist, muss das Kind keinen Aufwand mehr betreiben, um diese herzustellen, sondern wird frei für spielerische Entwicklung. Es kann und will sich früher kooperativen Interaktionsspielen zuwenden, wie sie die Als-ob-Spiele darstellen. Sie können Aufgaben zum Gedankenlesen und emotionalen Verstehen gut lösen (Astington & Jenkins, 1995).

Auch ältere Geschwister fördern die Mentalisierungsfähigkeit eines Kindes (Jenkins & Astington, 1995).

Die Entwicklung der Mentalisierung hängt auch von der eigenen Mentalisierungsfähigkeit der Mutter ab (Fonagy, Steele, Moran, Steele & Higgitt, 1991).

(aus Sulz S. (2017). Gute Verhaltenstherapie lernen und beherrschen. Band 1: Wissen. München: CIP-Medien)

Eine sichere Bindung zu den Eltern ist notwendig, um die Fähigkeit zur Impuls- und Affektregulierung zu entwickeln. Dazu gehören die unzähligen Forschungsarbeiten zum Thema Selbststeuerungsfähigkeit, über die Walter Mischel (2015) und Joachim Bauer berichten (2015). Denn die im Alter von 4 Jahren vorhandene oder  nicht vorhandene Selbststeuerungsfähigkeit (bei Kindergartenkindern am Beispiel des Belohnungsaufschubs untersucht à Marhsmallow-Test) hat eine erstaunliche Vorhersagekraft auf Lebensqualität von 30 bis 35-jährigen Menschen:

„Vorschulkinder, die beim Marshmallow Test länger auf die Belohnung warteten, wurden Jahre später als Jugendliche folgendermaßen beurteilt: Sie zeigten mehr Selbstkontrolle in frustrierenden Situationen, sie waren nicht so anfällig für Verlockungen, sie ließen sich weniger leicht ablenken, wenn sie sich zu konzentrieren versuchten; sie waren intelligenter, selbstbewusster und zuversichtlicher, und sie vertrauten ihrem Urteilsvermögen.  Unter Stress gerieten sie nicht so schnell in Panik wie diejenigen, die Belohnungen nicht zu lange aufschieben konnten, und sie verloren auch nicht so schnell die Fassung, waren nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen und verfielen nicht so oft in unreife Verhaltensmuster. Ebenso konnten sie besser voraus denken und planen, und bei hinreichender Motivation waren sie zielstrebiger. Außerdem waren sie achtsamer, in höherem Maße zu rational-logischem Denken fähig und vernünftigen Argumenten aufgeschlossen, und ließen sich durch leichte Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen.“ (Mischel 2015, S. 38)

„Etwa im Alter zwischen 25 und 30 Jahren schafften es diejenigen, die im Vorschulalter länger auf die Belohnung warten konnten, laut eigener Auskunft besser, langfristige Ziele zu verfolgen, gefährliche Drogen zu vermeiden und ein höheres Bildungsniveau zu erreichen. Ihr Body Maß Index war zudem deutlich niedriger. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme, und sie schafften es besser, enge Beziehungen aufrechtzuerhalten.“ (a. a.O. S. 39)

„Bei den „guten Belohnungsaufschiebern“ war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens beansprucht wird. Dagegen war bei den Anführungszeichen „schlechten Belohnungsaufschiebern“ das ventrale Striatum aktiver, vor allem wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional geladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren. Dieses im tieferliegenden, primitiveren Teil des Gehirns angesiedelte Areal ist mit Verlangen, Lust und Sucht assoziiert. … dass „schlechte Aufschieber“ offenbar einen starken Motor haben, während „gute Aufschieber“ scheinbar eine bessere mentale Bremse besitzen.“ (A.a.O.  41).

Im präfrontalen Kortex ist unser kühles System des logischen Denkens angesiedelt, es ist nicht schnell auslösbar, es reagiert relativ langsam – Überlegen braucht Zeit. Es reift erst allmählich und kommt erst ab 4-6 Jahren zum immer effektiver werdenden Einsatz. Im limbischen System ist unser heißes System der Emotionen und Impulse zu Hause. Es ist schnell auslösbar, reagiert schnell reflexhaft, spontan, erzielt sofortige Wirkungen wie Befriedigung oder Spannungsreduktion. Es ist von Geburt an funktionsfähig. Große Bedürfnisse und großer Stress aktivieren dieses System.

Die zahlreichen von Mischel (2015) berichteten Studien aus dem Vorschulaltersbereich weisen eindeutig darauf hin, dass das menschliche Gehirn zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift ist und einige für unsere Betrachtungen wichtigen psychischen Prozesse zum Beispiel erst mit drei Jahren beginnen sich zu zeigen und erst mit fünf Jahren voll ausgebildet sind. Was ein Kind mit fünf Jahren kann, hat es zu einem guten Teil nicht erst gelernt, sondern es hat sich entwickelt. Die Individualität, die Persönlichkeit und die geistige Kapazität eines Kindes, wenn man es mit Gleichaltrigen vergleicht, ergibt sich zu einem großen Teil – neben seinen vererbten Merkmalen – aus den frühen Kindheitserfahrungen, die fördernd oder hemmend gewesen sein können. Wir müssen befürchten, dass Ganztags-KITA vor dem Alter von 24 Monaten die Entwicklung des kindlichen Gehirns in oben genanntem Sinn hemmt.

Neueste Studien:

Zepf und Seel (2017) berichten über zahlreiche Studien, die belegen, dass KITAS in den ersten zwei Lebensjahren Kindern schaden. Auch die beste KITA kann nicht verhindern, dass Kinder, die ganztags in einer KITA untergebracht werden, einen sie überfordernden Dauerstress erleben. Dauerstress wiederum, so zeigen sehr viele Studien, hemmt die Entwicklung des Gehirns und damit auch die Entwicklung wichtiger geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Man muss deshalb damit rechnen, dass Eltern, die sich für eine KITA entscheiden, dazu beitragen, dass sich die Chancen ihres Kindes sich seinen genetisch mitgegebenen Begabungen gemäß zu entwickeln und zu entfalten, deutlich verringern.

  • Quelle: Zepf S., Seel D. (2017). Würden sich kleine Kinder für ihre Betreuung Kitas ausdenken? Kinderanalyse 25 (03) DOI 10.201706/ka-25-3-203

https://www.kinderanalyse.de/article/ka_2017_03_0203-0230_0203_01

 

Wulfes und Schulz (2017) berichteten auf dem 35. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie über eine sorgfältig durchgeführte Studie über den Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Es zeigten sich Verhaltensprobleme, externalisierende Verhaltensauffälligkeiten und geringeres prosoziales Verhalten.   Sie empfehlen besonders frühes Eintrittsalter (0 bis 3 Jahre) zu vermeiden, außer bei Migrationshintergrund, wo die Integration über eine Institution besser gelingt als in der Familie. Sie betonen, dass die ersten Lebensjahre eine sehr wichtige Zeit im Leben eines Kindes sind.

  • Quelle: Wulfes N., Schulz W. (2017). Der Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Vortrag am 26.5.2017 Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

Dagegen berichten Schmitt et al. (2015) über exzeptionelle Bedingungen und Ergebnisse bei der Bevölkerung von Dresden, wo 67 % der Eltern ihre Kinder in Kitas geben – eine lange DDR-Tradition beibehaltend. So erkannten Mütter, die ihr Kind schon mit 2 Monaten die Kita gaben, keinerlei negative Folgen. Die Autoren plädieren deshalb dafür, Kinder so früh wie möglich in Kitas unterzubringen.

  • Schmitt J. et al. (2015). Determinanten der psychischen Gesundheit im Einschulungsalter – Ergebnisse einer populationsbezogenen Untersuchung in Dresden. Kinder- und Jugendarzt 46, S. 312-325

Hier muss angemerkt werden, dass die Prävention psychischer Störungen als Erkrankung im Kindesalter ein kurzfristigeres Kriterium ist als die Förderung oder Hemmung der Entwicklung des Gehirns und der Psyche mit lebenslangen Folgen. Die untersuchten Kinder müssen bei der Einschulung noch keine psychischen Auffälligkeiten haben und konnten sich trotzdem nicht so entwickeln wie es ohne Kita-Besuch möglich gewesen wäre.

Zusammengefasst:

  1. Die neurobiologische Basis der Entwicklung der Emotionsregulation und der Impulskontrolle ist die Reifung des Gehirns, speziell des präfrontalen Kortex u. a. mit seiner das limbische System modulierenden und hemmenden Wirkung.
  2. Die Plastizität des Gehirns ermöglicht es der Umwelt, auf die Entwicklung in vielfältiger Weise einzuwirken – sowohl entwicklungshemmend als auch entwicklungsfördernd. Die zwischenmenschliche Umwelt ist die einbindende Kultur, die der Entwicklung des Individuums Raum gibt und Grenzen vermittelt. Entwicklung geschieht in Wechselwirkung mit ihr.
  3. Sichere Bindung zu den Eltern fördert die Reifung des Gehirns, unsichere hemmt sie.
  4. Kinder unter 18 Monaten brauchen nicht Gleichaltrige sondern ältere Kinder und Erwachsene. Sie brauchen keine Gruppe sondern Zweierbeziehungen (mit Mutter, Vater, anderen Erwachsenen, älteren Geschwistern).
  5. Stress hemmt die Entwicklung des Gehirns. Gestresste Mütter stecken ihr Kind mit ihrem Stress an. KITA ist Stress für das Kind. Und die gestresste Mutter ist Stress für das Kind.

Dieser Text wurde zusammengestellt von Serge Sulz

Literatur:

Bauer, J. (2015). Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens (5. Aufl.). München: Blessing.

Bischof-Köhler, D. (2010). Kognition, Motivation und Emotion in der Frühen Kindheit und im Vorschulalter. In S. Sulz & S. Höfling (Hrsg.) … und er entwickelt sich doch! Entwicklung durch Psychotherapie (S. 3-44). München: CIP-Medien.

Bowlby J. & Holmes J. (2014). Bindung als sichere Basis: Grundlagen und Anwendung der Bindungstheorie. München: Ernst-Reinhardt

Brisch K.-H. (2016): Säuglings- und Kleinkindalter. Stuttgart: Klett-Cotta

Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. & Target, M. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst (3. Aufl.). Suttgart: Klett-Cotta.

Grossmann K., Grossmann K. E. (2012). Bindungen: Das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett-Cotta

Mischel, W. (2015). Der Marshmallow-Test. München: Siedler-Verlag.

Schmitt J. et al. (2015). Determinanten der psychischen Gesundheit im Einschulungsalter – Ergebnisse einer populationsbezogenen Untersuchung in Dresden. Kinder- und Jugendarzt 46, S. 312-325

Schore, A. N. (2012). Bindung und die rechtshemisphärische Regulation. In Rass E. (Hrsg.): Alan Schore: Schaltstellen der Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta, S. 87-110

Sulz, S. (2012). Als Sisyphus seinen Stein losließ oder: Verlieben ist verrückt! Ein psychologisches Lesebuch über menschliche Überlebensformen und individuelle Entwicklungschancen (6. Aufl.). München: CIP-Medien.

Tietze, W., Becker-Stoll, F., Bensel, J., Eckhardt, A. G., Haug-Schnabel, G., Kalicki, B. & Keller, H. (2013). Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Verlag am Netz.

Wulfes N., Schulz W. (2017). Der Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Vortrag am 26.5.2017 35. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

Zepf S., Seel D. (2017). Würden sich kleine Kinder für ihre Betreuung Kitas ausdenken? Kinderanalyse 25 (03) DOI 10.201706/ka-25-3-203 https://www.kinderanalyse.de/article/ka_2017_03_0203-0230_0203_01

 

Nachtrag:

Serge Sulz wendet sich in dieser dringenden Frage an seine psychotherapeutischen KollegInnen:

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, entschuldigen Sie bitte, dass ich mich mit einer unbequemen Botschaft melde.

Ich habe viele Jahre lang geschwiegen und entgegen meiner Überzeugung darauf gewartet, dass die Forschung zu dieser Frage verlässliche Angaben macht. Jetzt ist es so weit: Die Bindungsforschung, aber auch die Erforschung der emotionalen und kognitiven Entwicklung bestätigen, dass ein Kind unter 24 Monaten vernachlässigt wird, wenn es zu zehnt oder fünfzehnt 8 bis 10 Stunden am Tag mit einer oder auch mit zwei Erzieherinnen verbringen muss.

Ich weiß, dass Kolleginnen und Kollegen, die ihr Kind in eine KITA geben, sich gegen diese Aussage aufbäumen müssen. Sie stehen unter dem Druck der öffentlichen Meinung und ihrer beruflichen und familiären Situation und sie können sich nicht zerreißen. Und jetzt kommt auch noch einer wie ich daher und lässt die ohnehin schon vorhandenen Schuldgefühle größer werden. Gegen den muss man sich wehren, dann geht es wieder.

Wenn Sie nicht in einer glücklichen Situation sind, in der Sie Wahlfreiheit haben, landet der schwarze Peter bei Ihnen und das können Sie nicht auf sich sitzen lassen. Das sollten Sie auch nicht. Ich bin überzeugt, dass Sie es sich nicht leicht gemacht haben und den für alle Beteiligten besten Kompromiss gewählt haben. Mit Kindern teilt man nicht nur Freud, sondern auch Leid. Also steckt in diesen Ausführungen keine Schuldzuweisung an die Eltern. Diese können nicht anders.

Nein, die ganze Verantwortung geht an die Adresse der Politik. Sie fädelte – um Wählerstimmen zu fangen – den KITA-Boom ein. Und die öffentlichen Medien sprangen flink auf diesen Zug auf. Prompt wurden Stimmen zum Schweigen gebracht, die vor den Folgen dieser Vernachlässigung warnen. Oder die fordern, dass sowohl die Mutter als auch der Vater je ein Jahr Erziehungszeit finanziert bekommen.

Und es bringt nichts, wenn 80 % der KITA-Kinder keine sichtbaren Schäden zeigen. Denn die Entwicklungsdefizite führen nicht direkt zu psychischen Erkrankungen, sondern zeigen sich sehr verzögert – indem das eine Kind sich prächtig entwickelt und auch im Erwachsenenleben seine Begabungen und Chancen nutzen kann, während ein anderes eine vergleichsweise ärmere Existenz und Lebensqualität (inkl. der langfristigen Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen aufweist). Auch die einseitige Betonung der kognitiven Entwicklung und der Schulnoten lässt zu leicht vergessen, dass die emotionale und soziale Entwicklung mindestens so wichtig ist.

Auf der anderen Seite wissen wir PsychotherapeutInnen um das viel häufiger Wehe der Entwicklungsstörungen, die aus einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung bzw. Vater-Kind-Beziehung erwachsen können, auch wenn das Kind nie eine KITA gesehen hat: Überbehütung und Verstrickung sowie katastrophale Mann-Frau-Beziehung der Eltern. Mit diesen hausgemachten Problemen sind wir in unserem Beruf vollauf beschäftigt. Trotzdem meine ich, dürfen wir nicht schweigen, wenn wir sehen, was in unserer Gesellschaft und in den Familien passiert. Die Kinder haben keine Stimme. Sie brauchen die Stimme derjenigen, die das sehen und verstehen. Dem Politiker, der Ihre Stimme haben will, sollte das  nicht gleichgültig sein. Wir dürfen ihm dieses Verständnis nicht abverlangen, aber Ihre Stimme möchte er halt bekommen.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Serge Sulz

Wir sind ein Fachverband für approbierte Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen!

Die dgkjf will gemeinsam mit bestehenden Verbänden die Qualität der Patientenversorgung durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie erhalten.

Die dgkjf vertritt die Interessen der approbierten Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen und strebt eine weitere Verbesserung der psychischen Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien an.

dgkjf-Stellungnahme zum Arbeitsentwurf Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz vom 25.7.2017

Dieses Gesetz ist der größte Gesundheits-Skandal der letzten 10 Jahre

Wir fordern: Optimale statt maximale Reform des Psychotherapeutengesetzes

Das BMG will maximale Änderungen, genauer gesagt, es soll nichts mehr vom Psychotherapeutengesetz von 1999 übrig bleiben.

Dieses hatte eine drei- bis fünfjährige postgraduierte Psychotherapie-Ausbildung an privaten und universitären Instituten eingeführt (nach Abschluss eines Hochschulstudiums),

  • dessen Kosten jeder Ausbildungsteilnehmer selbst bezahlt (etwa 20.000 Euro)
  • bei dem die Krankenkassen Honorare für die Ausbildungstherapien zahlen (etwa 30.000 Euro), womit die Ausbildungskosten gegenfinanziert sind
  • bei dem ein Jahr lang ganztags eine praktische Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik abzuleisten ist, ohne dass die Bezahlung dieser Tätigkeit gesetzlich geregelt ist
  • dessen Qualität mittels eines vom BMG in Auftrag gegebenen Forschungsgutachtens geprüft und für gut befunden wurde
  • das erstmals in der deutschen Geschichte eine qualifizierte psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Gang setzte – durch die Einrichtung eines spezialisierten Ausbildungsgangs mit eigener Approbation in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
  • das auf diese Weise das Primat ambulanter psychotherapeutischer Versorgung gegenüber stationärer Behandlung förderte.

All das wird abgeschafft und stattdessen eine insgesamt zehnjährige Aus- und Weiterbildung angestrebt,

  • mit einem fünfjährigen hochtheoretischen Universitätsstudium der Psychotherapie
  • bei dem die Studenten noch keine Behandlungskompetenz erwerben
  • und trotzdem am Studienende Approbation erhalten sollen
  • und natürlich gleich nach der Approbation ohne Kompetenz und was genau so schlimm ist, ohne Selbsterfahrung auf psychisch kranke Menschen losgelassen werden

 

  • und mit einer ebenfalls fünfjährigen noch in keiner Weise praktikablen Weiterbildung
  • während der eine Ganztagsanstellung mit tariflicher Bezahlung in Klinik, Ambulanz oder Praxis erfolgen soll
  • während der kostenlos die theoretischen Kenntnisse vervollständigt werden sollen (etwa 400 Stunden)
  • während der kostenlos Supervision für die durchgeführten Behandlungen erhalten werden
  • alles analog der ärztlichen Facharzt-Weiterbildung
  • sodass nach der Weiterbildung Facharztstatus erreicht wird mit allen dazu gehörenden Rechten

Den BMG-Reform-Architekten unterliefen typische Architektenfehler, die ein Traumhaus entwerfen:

  1. Ihr Entwurf wurde so teuer, dass er nicht bezahlbar ist.
  2. Statt einer Verbesserung führt er zu einer nicht zu verantwortenden Verschlechterung
  3. der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher
  4. der Versorgung psychisch kranker Erwachsener
  5. der Qualität der psychotherapeutischen Ausbildung

Die Kosten sind zu hoch und der Nutzen ist zu gering.

Also brauchen wir einen alternativen Gesetz-Entwurf, der

  1. nur so viel kostet, wie es der Änderungsnotwendigkeit entspricht
  2. die Qualität der Patienten-Versorgung und der Psychotherapie-Ausbildung bewahrt

Und das ist die duale Ausbildung. Dual meint zuerst ein vierjähriges Studium

  1. der Psychologie für die Erwachsenen-Psychotherapie
  2. der Pädagogik, Sozialpädagogik oder Psychologie für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

und danach eine drei bis fünfjährige postgraduierte Psychotherapie-Ausbildung

  1. der Erwachsenen-Psychotherapie
  2. der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

mit je eigener Approbation nach erfolgreichem Abschluss dieser Ausbildung.

So kann eine optimale Reform aussehen –> Hier klicken